news.orf.at: „Kinder von Wien“ in der Ankerbrotfabrik

Es herrscht Leben in der Trümmerlandschaft. Im Keller eines zerschossenen Hauses hat sich eine kleine Schicksalsgemeinschaft eingenistet – Mädchen und Buben, die mehr erlebt haben, als einem lieb sein kann, und die überlebt haben, ohne zu wissen, wie ihnen geschieht. Es sind „Die Kinder von Wien“, die ab 15. Mai in der Expedithalle der früheren Ankerbrotfabrik besucht werden können.

Das Stück spielt im Nachkriegs-Wien, „aber natürlich könnte es auch in Kabul oder im heutigen Aleppo spielen“, sagt Anna Maria Krassnigg. Die Regisseurin, selbst Wienerin des Jahrgangs 1970, hat „als literarisches Trüffelschwein“ den 1946 erschienenen Roman „Die Kinder von Wien“ von Robert Neumann (1897 bis 1975) wiederentdeckt und selbst dramatisiert.

„Ein unglaubliches Unikat“

„Ich habe mich in diesen Roman verliebt, weil er ein unglaubliches Unikat ist“, erzählt die Regisseurin im APA-Interview mit Wolfgang Huber-Lang. „Er ist ein verwegenes Produkt der Nachkriegszeit, das von den Verheerungen des Krieges in den Seelen und der Sprache berichtet. Es ist eine Mischung aus Bühnenwerk, Drehbuch und Roman, ein bösartiges, geistreiches, witziges Märchen, das mehr Wahrheit verströmt als so manche Dokumentation.“ Auch die Sprache ist ein wilder Mix aus „Deutsch, gemischt mit Jiddisch, gemischt mit American Slang und Popolski und Russian Slang“, heißt es bei Neumann.

Das Buch wurde auf Englisch geschrieben, „addressed to the men and women of the victorious countries. It was written for the sake of the children of Europe, in two months of their misery in the winter of 1945-46“, wie es Neumann selbst beschrieb. Im eigenen Land wurde der Hilfeschrei an die Siegermächte nicht gerne gehört: „Lange wurde das Buch indiziert und verleugnet, Neumann galt als Nestbeschmutzer.“ Erst eine Wiederauflage in Hans Magnus Enzensbergers „Die Andere Bibliothek“ im Jahr 2008 rief den Roman wieder in Erinnerung.

Gerne „zwischen den Stühlen“

Dass sie ihre Inszenierung nun als Festwochen-Produktion herausbringen kann, habe sie vor allem ihrer Beharrlichkeit zu verdanken, erzählt Krassnigg, die „gerne zwischen den Stühlen sitzt“, jedoch meint, sich als heimische Theaterschaffende bisweilen „in dieser Stadt als ähnlicher Alien zu fühlen wie die displaced persons in dem Roman“.

Für den Spielbetrieb in ihrem eigenen Theaterraum, dem Salon 5 in Wien-Fünfhaus, bekam sie bisher mehr Geld aus dem Ausland als aus heimischen Fördertöpfen. Auch die Kooperation mit den Festwochen sehe keine Beteiligung an den Produktionskosten vor: „De facto hosten die Festwochen das Projekt, machen Pressearbeit, Marketing und Vertrieb. Weil das aber alles sehr teuer ist, hilft uns das sehr.“

Von der künftigen Festwochen-Leitung wünscht sie sich, sie möge sich neben internationalen Koproduktionen auch vermehrt um das kreative Potenzial der Stadt kümmern. Im Salon 5 erfährt die Aufführung der „Kinder von Wien“ in drei diskursiven Veranstaltung, die sich um die „History“ hinter der „Story“ kümmern, ihre Fortsetzung.

06.05.2013
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