{"id":477,"date":"2013-05-17T09:31:07","date_gmt":"2013-05-17T08:31:07","guid":{"rendered":"http:\/\/kindervonwien.at\/?p=477"},"modified":"2013-05-17T09:31:07","modified_gmt":"2013-05-17T08:31:07","slug":"der-standard-verschuttete-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/kindervonwien.at\/?p=477","title":{"rendered":"Der Standard: &#8222;Versch\u00fcttete Hoffnung&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Rahmen der Wiener Festwochen hat Anna Maria Krassnigg &#8222;Die Kinder von Wien&#8220; dramatisiert. Ihr gelingen beklemmende Szenen in d\u00fcsterer Kulisse<\/strong><\/p>\n<p>Wien &#8211; Die ehemalige Expedithalle der Ankerbrotfabrik erinnert an einen Hangar. Eingetaucht in Nebelschwaden endet das Spielfeld, ein Tr\u00fcmmerfeld aus Sperrm\u00fcll, irgendwo im Nichts. Die Szenerie von Lydia Hofmann trifft die unwirtliche Situation in Robert Neumanns Roman <em>Die Kinder von Wien<\/em>: Vom ausgebombten Haus blieb nur der Keller \u00fcbrig.<\/p>\n<p>Dort hausen im Winter 1945\/46 ein paar Kinder. Das intakte Klo mit &#8220; Ziehwasser&#8220;, also Sp\u00fclung, vermag sie zu begeistern. Und es gibt &#8211; im Gegensatz zu Herr der Fliegen &#8211; keine Machtk\u00e4mpfe untereinander, keine Verrohung: Diese Kinder halten \u00fcber &#8222;rassische&#8220; und ideologische Grenzen hinweg als Schicksalsgemeinschaft zusammen. Ihre Feinde sind die Umst\u00e4nde und die Erwachsenen, die den Keller beschlagnahmen, verwerten wollen.<\/p>\n<p>In der gegl\u00fcckten Dramatisierung von Regisseurin Anna Maria Krassnigg bleibt vieles bewusst im Dunkeln. Die vier Jugendlichen Goy, Ewa, Ate und Jid scheinen sich zur\u00fcckzuerinnern: Gegenwart und Vergangenheit vermischen sich, fallen in eins. Curls, etwas j\u00fcnger, wird zwar mehrfach angesprochen, er taucht aber physisch nie auf. Und das Kindl, Baby mit Ballonbauch, muss, wie etliche andere Kinder im Keller, bereits tot sein: Goy (Jens Ole Schmieder) f\u00fchrt mit der Puppe, die er wiegt, einen ber\u00fchrenden Dialog in Bauchrednermanier.<\/p>\n<p>Die Grundkonstellation erinnert stark an Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte Nachts schlafen die Ratten doch (1947): Ein Junge bewacht seinen toten Bruder, der unter den Tr\u00fcmmern liegt, weil er verhindern m\u00f6chte, dass die Ratten ihn fressen. Er gibt erst auf, als ihm ein Mann versichert, dass diese nachts schlafen. Auch die Kinder von Wien, die zusammen mit den Ratten leben, werden belogen. Wie der Alte bei Borchert gewinnt Reverend Smith, Angeh\u00f6riger der US-Army, zun\u00e4chst das Vertrauen. David Wurawa spielt den sanften Priester als G\u00fcte in Person. Dieser meint es wirklich gut. Doch alle Hoffnungen zerplatzen.<\/p>\n<p>Neumann verortete seinen 1946 im Londoner Exil geschriebenen Roman in Wien, meinte aber, dass er \u00fcberall spielen k\u00f6nne, in jedem Keller. Nicht ohne Grund verwendete er sehr k\u00fcnstliche Dialekte. Krassnigg hingegen betont das Wienerische: Die Erwachsenen, &#8222;Melone&#8220; und &#8222;Regenmantel&#8220; gerufen (Martin Schwanda und Werner Brix), sind beinahe Kopien aus dem Dritten Mann.<\/p>\n<p>Ihr gelingen aber ein paar exzellente Szenen, darunter der Kaffeeplausch von Ewa (Kirstin Schwab) und Ate (Petra Gstrein) zu R\u00fcbenschalentee. Herausragend agiert Daniel Frantisek Kamen als impulsiver Jid, der leider v\u00f6llig dem j\u00fcdischen Klischee entspricht. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 17.5.2013)<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/derstandard.at\/1363711289755\/Verschuettete-Hoffnung\">http:\/\/derstandard.at\/1363711289755\/Verschuettete-Hoffnung<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen der Wiener Festwochen hat Anna Maria Krassnigg &#8222;Die Kinder von Wien&#8220; dramatisiert. Ihr gelingen beklemmende Szenen in d\u00fcsterer Kulisse Wien &#8211; Die ehemalige Expedithalle der Ankerbrotfabrik erinnert an einen Hangar. 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